Die schönste Laterne

 „Die ist aber krumm!“ sagte Georg. Neugierig beguckte er Hermanns Laterne. Hermann trug eine Gans an seinem Stock. Ihr Schnabel sah aus wie eine zertretene Erdnuss. Knöpfe von Walters alter Strickweste waren die Augen. Der dicke Kopf klebte auf einem kurzen Entenhals. Und der Bauch, in dem die Kerze brannte, war eine Keksdose. Hinten steckten lange, braune Federn. Aber die Füße der Gans, das waren richtige, echte Füße, nur – vom Huhn. Ein seltsamer Vogel! Langsam drängten sich die Kinder zwischen zwei langen Tischen durch.

Dort saßen die Leute vom Martins-Verein: der Rektor, der Lehrer Freudenberg und Georgs Vater. Sie betrachteten jede einzelne Laterne; denn sie suchten die schönste aus. „Ich weiß, wer den ersten Preis bekommt!“ erklärte Georg. „Ingrid hat die schönste Laterne.“ Ingrids Laterne hatte Bilder aus Buntpapier: der heilige Martin als Soldat und als Bischof. Es war wirklich eine schöne Laterne! Ingrid durfte sich zu den anderen Kindern stellen, die auf die Preisverteilung warteten.

Über Hermanns Laterne lachten alle. Am liebsten wäre er sofort nach Hause gelaufen. Am Ende der langen Reihe schlich Hermann zwischen den Tischen durch. Er schämte sich und schaute zu Boden; denn die Erwachsenen lächelten über seine Gans. Georgs Vater hielt ihn an. Mit ernstem Gesicht fragte er: „Du weißt doch, dass gekaufte Laternen nicht mitmachen dürfen?“ Ganz traurig blickte Hermann auf: „Die habe ich doch nicht gekauft; die habe ich selber gemacht!“

Da brachen alle in Lachen aus. Hermann wurde rot im Gesicht; Tränen liefen über seine Backen. Doch Georgs Vater stand auf. Er fasste Hermann bei der Schulter. „Das war doch Spaß!“ sagte er. „Hast du die Gans allein gemacht?“ Hermann nickte. „Du hast zwar nicht die schönste Laterne“, meinte Georgs Vater, „aber du hast bestimmt die lustigste. Und dafür geben wir dir einen Sonderpreis“.

 

Ein seltsamer Vogel, der einen Sonderpreis bekommt! Sehr mutig von dem kleinen Hermann, sich dem Lachen der Schulgemeinschaft zu stellen und nicht wegzulaufen, wonach ihm verständlicherweise zumute war. Der heilige Martin, zu dessen Ehren der Junge seine Laterne mit großer Mühe gebastelt hat, wäre stolz auf Hermann gewesen, der zu seiner Laterne steht und sie verteidigt. Denn ein seltsamer – und ebenfalls sehr mutiger Vogel – war schließlich auch unser Schulpatron! Das bezeugen viele Geschichten über ihn, vor allem auch die bekannten, auf die wir jedes Jahr unser Augenmerk richten:

Während seiner Dienstzeit als Soldat handelte sich der bei allen seinen Kameraden beliebte Offizier mit der Mantelteilung eine echte Lachnummer ein: Einige aus seiner Begleitung machten sich über Martin lustig, da ihn der zerschnittene Mantel entstellte. Neben dem Spott seiner Mitmenschen musste Martin auch noch eine Arreststrafe seitens seiner Vorgesetzten hinnehmen: drei Tage Haft wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum.

Als er vor dem römischen Kaiser seinen Soldatendienst quittierte, wurde dem tapferen Kämpfer Feigheit als Motiv für seinen Entschluss unterstellt. Aber Martin stand trotz weiterer Haft und wütender Beschimpfung mutig zu seiner aus tiefem christlichen Glauben erwachsenen Entscheidung.

Während der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für den Bischofsstuhl von Tours, behaupteten viele der Wahlberechtigten, dass Martin ein verachtenswerter Mensch sei. Sein kümmerliches Aussehen, sein schmutziges Gewand und seine ungepflegten Haare machten ihn in den Augen seiner Kollegen völlig unwürdig für das Bischofsamt! Also kein erster Preis! Aber die Menschen schätzten seine große Nächstenliebe, seine Demut und seinen unerschütterlichen Glauben. So wurde er mit einem Fackelzug als der vom jubelnden Volk gewünschte Bischof in die Stadt geführt – ein Sonderpreis besonderer Art!

So  gab und gibt es immer wieder Menschen – manchmal sind es seltsame Vögel! – die nach dem Vorbild des hl. Martin, auch gegen den sogen „main stream“ ehrlich und mutig zu ihrer Überzeugung stehen und die Nächstenliebe und die Barmherzigkeit an die erste Stelle setzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien – verbunden mit ganz herzlichem Dank für jegliche Hilfe und Unterstützung unserer Martinusschule – ein frohes Martinsfest und eine lichtvolle Advents- und Weihnachtszeit!

 Fest des Hl. Martin von Tours,  Freitag, den 10.11.2017

 8 Uhr Martinsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin

18 Uhr Martinszug mit Martinsfeuer auf dem Schulhof

Fest des Hl. Nikolaus von Myra , Mittwoch, den 6.12.2017

 8  Uhr Nikolausfeier in unserer Aula

Advent und Weihnachten,  Freitag, den 22.12.2017

10 Uhr Advents- und Weihnachtsfeier in der Aula

 

 

Wir laden Sie herzlich zu unseren Festen ein!

Anne Köppen, Rektorin