Liebe Schulgemeinde, liebe Freunde und Förderer der Sankt Martinus Schule,

zur Feier unseres Martinsfestes 2018 begrüße ich Sie alle sehr herzlich mit der sechsten  Strophe eines Martinsliedes, das Sie alle sehr gut kennen:

Und dann backt auf jeden Fall unsere Mutter Kesselsknall.

Lustig, lustig trallerala la, heut ist Martinsabend da!

Das Brauchtum um den sogen. Kesselsknall war auch Thema des Martinsbriefes 2010, als wir – wie wir es auch in diesem Jahr tun wollen – in der Aula das leckere Gericht verkauft haben, um einen kleinen finanziellen Beitrag zum Bau unserer Martinsoase leisten zu können. Auch in diesem Jahr soll der Kesselsknall zum Martinsfest einen besonderen Platz einnehmen. Wir wollen damit unseren Schulpatron Martin von Tours würdigen und den Martinstag als Höhepunkt unserer Martinsprojekttage in froher Gemeinschaft ausklingen lassen.

Aber was hat es mit diesem Brauch auf sich?

Kesselsknall, auch Düppekuchen, Dippedotz, Düppekooche,  und Duppes genannt, ist ein kross-brauner Kartoffelauflauf, der nur in einem kleinen Teil des Rheinlandes bekannt ist und zwar zwischen Koblenz (wo er Uhles heißt) und Bonn. Traditionell wird er am Martinstag serviert, daher nennt man ihn auch „die Martinsgans des kleinen Mannes.“ Im übrigen Deutschland hat man von dieser Köstlichkeit zumeist noch nie gehört.  Das Gericht bezeichnet eine ausgesprochen schmackhafte Mahlzeit, die in einem Bräter aus Kartoffeln und/oder Mettwurst hergestellt wird. Die Feldfrucht Kartoffel verweist nicht nur auf ein früheres Arme-Leute-Essen, sondern auch auf das relativ geringe Alter dieser Mahlzeit, die fest im Brauchtum rund um das Martinsfest verankert ist.

Die jahrhundertealte Martinsverehrung hat viele Gesichter und der oben erwähnte Brauch hat sicherlich zunächst mit dem historischen Martin wenig zu tun. Die Wurzel dieses Brauchtums liegt im bäuerlich-wirtschaftlichen Umfeld der Menschen früherer Jahrhunderte. Der Tag der Beisetzung des Mönchs und Bischofs Martin von Tours, der 11. November, war in den vergangenen Zeiten ein Fest- und ein Zahltag. Dieser Tag wurde begangen als zweites Erntedankfest, wenn die Früchte des Herbstes gut in den Vorratskammern angekommen und verstaut waren. Zu dieser Feier wurde auch der neue Wein, der sogen. „Martiniwein“ kredenzt. Dem Zahltag verdankt auch die Martinsgans ihren Namen: Die Pacht für einen Acker oder eine Wiese wurde häufig mit einer Gans bezahlt, die zum Martinstag geschlachtet und als Festessen verspeist wurde. Üppiges Essen und Trinken zu einem Fest- und Zahltag: alles Dinge, die sich mit dem asketisch lebenden Mönch und Bischof Martin, der sich zeitlebens um die Armen und Bedürftigen kümmerte, schwer vereinbaren lassen. Oder doch?

Man erinnerte  sich bei den Festen gern an den wohltätigen Tagesheiligen Martin von Tours, indem man reichlich von den eigenen Gaben austeilte und verschenkte. Dazu gehörte auch das Teilen der Martinskost, die vor allem aus einem fetten Gänsebraten, oder auch aus einem Spanferkel bestand. Als „alternative Martinsgans“ hat sich dann vor allem im Neuwieder Becken und seinem Umland der sogen. „Kesselsknall“ durchgesetzt. In manchen Gegenden wurde den Menschen, die am Martinstag, z. B. wegen Krankheit oder Armut nicht mitfeiern konnten, eine Auswahl der Köstlichkeiten nach Hause geschickt – im Gedenken an die Mantelteilung unseres großen Heiligen. So nimmt das Brauchtum  Martin von Tours und sein Tun sichtbar zum Anlass der Nachfolge. Wo es gelingt, ihn im ursprünglichen Sinn des Wortes zu vergegenwärtigen, da kann die Haltung und Einstellung dieses Mannes auch zu der eigenen werden: Wer teilt, gewinnt. Dieser praktizierte christliche Glaube ist wie eine Fackel in der Nacht: Es wird hell und warm.

Und das wollen wir am Martinsabend tun: Den Kesselsknall teilen und gemeinsam essen, zum Wohle der Schulkinder der St. Martinus Schule, die mit dem Erlös sich an einem schönen Schulgarten erfreuen und mit den Gaben der Natur vertraut werden sollen.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Restaurant St. Anno und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die vielen Portionen Kesselsknall für uns zubereiten und auch die Zutaten dafür sponsern. Auch unseren Unterstützern in der Organisation und im Sponsoring gilt ein herzlicher Dank: Herrn Diether Habicht-Benthin, Herrn Hans-Joachim Kniebes, dem Selhofer  Frischmarkt Adams und der Bäckerei Bäcker Becker  – viele überzeugende Beispiele einer echt martinischen Einstellung, die ich auch in unserer Schulgemeinschaft immer wieder erlebe.

So möchte ich Ihnen und allen, die diese Haltung des hl. Martin von Tours in großen und kleinen Diensten, oft im Stillen und Verborgenen, sichtbar werden lassen, von Herzen danken und  auch im kommenden Jahr unsere Schule unter den Schutz und Segen des hl. Martin stellen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein glückliches und zufriedenes Martinsfest in froher Gemeinschaft und eine lichterfüllte Advents- und Weihnachtszeit!

 

 Fest des Hl. Martin von Tours,  Freitag, den 09.11.2018

8.00 Uhr Martinsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin

18.00 Uhr Martinszug mit Martinsfeuer auf dem Schulhof

18.30 Uhr Gemeinsames Kesselsknallessen in der Aula

 

Fest des Hl. Nikolaus von Myra, Donnerstag, den 6.12.2018

8.00 Uhr Nikolausfeier in unserer Aula

 

Advent und Weihnachten,  Donnerstag, den 20.12.2018

10.00 Uhr Advents- und Weihnachtsfeier in der Aula

 

Mit einer herzlichen Einladung zu diesen Festen verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Anne Köppen, Rektorin